FREUNDE – Lebenskompetenzförderung in Kindertageseinrichtungen

Ganzheitliches Präventionsprogramm zur Stärkung der Lebenskompetenzen von Kita-Kindern, das durch gezielte Fortbildungen der Fachkräfte Sucht- und Gewaltentstehung frühzeitig entgegenwirkt und ein positives Sozialverhalten fördert.

FREUNDE ist ein pädagogisches Präventionsprogramm für Kitas zur Förderung der Lebenskompetenzen. Ziel ist es, sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern frühzeitig zu stärken, um Sucht- und Gewaltgefährdungen vorzubeugen. Pädagogische Fachkräfte werden geschult, Basiskompetenzen wie Selbstwahrnehmung, Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit, Umgang mit Stress und Emotionen, Konflikt- und Risikokompetenz sowie kreatives und kritisches Denken im Alltag gezielt zu fördern. Träger des Programms ist die Stiftung FREUNDE. Fachlich angesiedelt ist es bei der Aktion Jugendschutz Bayern. Durch die Förderung der AOK Bayern ist die Teilnahme am Programm für Kitas kostenfrei.

Website des Angebots

  • Anbieter: Aktion Jugendschutz, Landesstelle Bayern e. V.
  • Ort: Bundesweit
  • Laufzeit: Ab 01.06.1998
  • Thema: Gesundheitskompetenz verbessern
    Stress reduzieren
    Sucht vorbeugen
    Psychische Gesundheit stärken
    Bewegung fördern
    Sonstiges: Lebenskompetenzförderung, Risikokompetenzförderung
  • Lebenswelt: Krippe / Kindertageseinrichtung / Kindertagespflege
  • Altersgruppe: Kleinkinder (1-3 Jahre)
    Kinder (4-12 Jahre)
  • Form: Präsenzangebot

Das übergeordnete Ziel des FREUNDE-Programms ist die Förderung der Lebenskompetenzen von Kindern in Kindertageseinrichtungen als Basis für eine gesunde psychische Entwicklung sowie als wirksamer Schutz vor Sucht- und Gewaltgefährdung. Orientiert an den Lebenskompetenz-Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen Kinder bereits im frühen Alter befähigt werden, mit sich selbst und anderen konstruktiv umzugehen und die Herausforderungen des Alltags selbstwirksam zu bewältigen.

Die Zielsetzungen im Einzelnen:

Stärkung der Resilienz: Kinder sollen eine stabile Persönlichkeit und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Durch das Erfahren von Selbstwirksamkeit (z. B. im „Selber-Mach-Tag“) lernen sie, dass sie Herausforderungen aus eigener Kraft meistern können.

Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen: Ein zentrales Ziel ist der Aufbau von Empathie, Kommunikationsfähigkeit und einem wertschätzenden Umgang miteinander. Kinder lernen, eigene Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken sowie die Bedürfnisse anderer zu respektieren.

Gewaltprävention durch Konfliktfähigkeit: Das Programm vermittelt Werkzeuge zur gewaltfreien Konfliktlösung (z. B. durch den „Streitteppich“). Ziel ist es, dass Kinder lernen, Meinungsverschiedenheiten konstruktiv auszutragen und Kompromisse zu finden.

Suchtprävention durch Lebenskompetenz: Da Suchtprävention im frühen Kindesalter nicht stoffgebunden stattfindet, zielt FREUNDE darauf ab, jene Basiskompetenzen zu stärken, die später vor riskantem Konsumverhalten schützen – wie Frustrationstoleranz, Entscheidungsfähigkeit und ein kritisches Denkvermögen.

Professionalisierung der Fachkräfte: Ein wesentliches Ziel ist die Sensibilisierung und Qualifizierung des pädagogischen Personals. Die Fachkräfte sollen Prävention nicht als Zusatzaufgabe, sondern als integralen Bestandteil ihres pädagogischen Alltags verstehen und eine vorbildhafte, ressourcenorientierte Haltung einnehmen.

Nachhaltige Verankerung in der Einrichtung: Das Programm möchte eine langfristige Qualitätsentwicklung in der Kita unterstützen. Die vorgestellten Praxistools sollen dauerhaft in die Hauskonzeption einfließen und auch die Eltern als wichtige Erziehungspartner in den Prozess der Lebenskompetenzförderung einbeziehen.

Durch die Erreichung dieser Ziele schafft FREUNDE ein Klima der Partizipation und Wertschätzung, das Kindern hilft, zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Das FREUNDE-Programm richtet sich an pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und setzt auf eine nachhaltige Qualifizierung, damit Lebenskompetenzförderung fester Bestandteil des pädagogischen Alltags wird. Die Umsetzung beginnt mit einem zweieinhalbtägigen Basisseminar, in dem die Fachkräfte die theoretischen Grundlagen sowie praxiserprobte Methoden kennenlernen und ihre eigene pädagogische Haltung reflektieren. Der letzte Halbtag unterstützt dabei den Erfahrungsaustausch, die Reflexion der Umsetzung und den weiteren Transfer in den Kita-Alltag.

Im Mittelpunkt stehen sechs alltagsintegrierte Praxistools: „Mit viel Gefühl“ fördert die emotionale Kompetenz, „Gewaltprävention, Partizipation“ stärkt die Alltagspartizipation, die als Schlüssel der Gewaltprävention gilt, „Ein Platz zum Streiten“ vermittelt einen konstruktiven Umgang mit Konflikten, der „Selber-Mach-Tag“ unterstützt Selbstwirksamkeit, Kreativität und einen bewussten Umgang mit Konsum, „Wildes Spiel“ fördert einen verantwortungsvollen Umgang mit Risiko und die Entwicklung von Risikokompetenz, „Inseln der Ruhe“ stärkt die Fähigkeit zur Entspannung und Stressregulation.

Ergänzt werden diese Bausteine durch Angebote für die Eltern als wichtige Partner in der Förderung der kindlichen Entwicklung.

Die Praxistools lassen sich ohne großen Aufwand und Kosten in den Kita-Alltag integrieren. Das Programm folgt einem ressourcenorientierten, partizipativen und erlebnisorientierten Ansatz. Die Inhalte werden nicht in Form einzelner Projekte vermittelt, sondern kontinuierlich in alltägliche Situationen integriert.

Unsere jeweils eintägigen Vertiefungsseminare "Wut", "Trauer", "Angst", "Freude", „Zusammenarbeit mit Eltern“, „Geschlechtersensible Prävention“, „Kulturelle Vielfalt in der Kita“ und „Kinder aus suchtbelasteten Familien“ ermöglichen es, die Inhalte von FREUNDE weiter zu vertiefen.

Zur langfristigen Qualitätssicherung werden die Fachkräfte durch qualifizierte FREUNDE-Trainerinnen und-Trainer begleitet. Ergänzende Fortbildungen ermöglichen eine Vertiefung einzelner Themen und unterstützen die nachhaltige Verankerung des Programms in der pädagogischen Konzeption der Einrichtung.

Das FREUNDE-Programm ist eines der am längsten etablierten Programme zur Lebenskompetenzförderung im deutschsprachigen Raum. Seine Wirksamkeit basiert auf dem theoretischen Fundament der Resilienzforschung und den WHO-Kriterien zur Lebenskompetenzförderung. Die Programmbausteine orientieren sich an evidenzbasierten Schutzfaktoren wie Selbstwirksamkeit, emotionaler Kompetenz, sozialer Kompetenz, Konfliktfähigkeit, Partizipation und einem konstruktiven Umgang mit Belastungen und Risiken.

Wissenschaftliche Fundierung und Evaluation
FREUNDE wurde seit seiner Entstehung mehrfach wissenschaftlich begleitet und evaluiert (zuletzt 2021 - 2025 durch die Katholische Hochschule Köln und das infas-Institut).

Die wesentlichen Ergebnisse der Begleitforschung belegen:

Stärkung der sozial-emotionalen Kompetenz: Kinder, die am Programm teilnehmen, zeigen signifikante Fortschritte in der Wahrnehmung von Gefühlen und in der Empathiefähigkeit.

Verbesserung des Sozialverhaltens: In FREUNDE-Einrichtungen ist eine Reduktion von aggressivem Verhalten und eine Zunahme von prosozialem Verhalten (Helfen, Teilen, Kooperieren) beobachtbar. Der „Streitteppich“ führt nachweislich zu einer eigenständigeren Konfliktlösung durch die Kinder.

Professionalisierung der Fachkräfte: Evaluationen zeigen, dass die teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte eine sensiblere Wahrnehmung für kindliche Bedürfnisse entwickeln und ihre eigene Rolle als Vorbild reflektierter wahrnehmen. Dies verbessert die Interaktionsqualität zwischen Kind und Fachkraft nachhaltig.

Resilienzförderung: Durch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit (insb. Bausteine „Selber-Mach-Tag“ und „Kinder-Reden-Mit“) werden Kinder widerstandsfähiger gegenüber Belastungen.

Qualitätssicherung und Auszeichnungen
Das Programm ist in der Grünen Liste Prävention (Datenbank empfehlenswerter Präventionsprogramme) gelistet, was seine wissenschaftliche Belegbarkeit und konzeptionelle Qualität unterstreicht. Zudem wird das Programm kontinuierlich durch die Aktion Jugendschutz an aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen (z. B. Vielfalt, Nachhaltigkeit) angepasst.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass FREUNDE durch den Fokus auf die Lebenskompetenzförderung sowie die Schutzfaktoren der Kinder einen messbaren Beitrag zur universalen Prävention von Sucht und Gewalt leistet und die Basis für eine gesunde Bildungsbiografie schafft.

  • Ansatz: Verhaltens- und Verhältnisprävention
  • Förderung: Sozialversicherungsträger (GKV, DGUV, DRV, Pflegekassen), GKV-Bündnis für Gesundheit
  • Qualitätskriterien: Erkenntnisse aus der Gesundheitsberichterstattung
    Bedarfsermittlung
    Partizipation (Beteiligung, Mitbestimmung, Teilhabe)
    Qualitätssicherung/-management
    Niedrigschwellige Arbeitsweise (Barrierearmut, Inklusion, gleichberechtigte Teilhabe)
    Gesundheitliche Chancengleichheit
  • Evaluation: Interne Prozessevaluation
    Externe Prozessevaluation
    Interne Ergebnisevaluation
    Externe Ergebnisevaluation
  • Zertifizierung: ist in der Grünen Liste Prävention geführt
    hat den Bayerischen Präventionspreis erhalten

Anbieter

Aktion Jugendschutz, Landesstelle Bayern e. V.
Leonrodstr. 68
80636 München

Heribert Holzinger
Telefon: 08912157325
E-Mail-Adresse: holzinger@aj-bayern.de

Wir sind die bayerische Fachinstitution im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz. Wir schützen und befähigen junge Menschen. Wir stellen den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis her und entwickeln innovative Konzepte und Angebote. Neben der Schulung und Beratung von Fachkräften erstellen und veröffentlichen wir Fachliteratur und Arbeitshilfen. Wir informieren und sensibilisieren Eltern und alle, die mit Kindern/Jugendlichen leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.

https://bayern.jugendschutz.de

Letzte Aktualisierung: 14.08.2026

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